Voller Kinosaal bei der Premiere unseres Hindenburg-Dokumentarfilms

Historiker positionieren sich einhellig, die Hindenburg-Allee umzubenennen

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Berchtesgadener Kino bei dem Filmgespräch, zu dem die Dokumentation Obersalzberg gemeinsam mit unserem Verein eingeladen hatte. Gezeigt wurde der Film „Wie konnte es dazu kommen? Hindenburg, Hitler und die nationalsozialistische Diktatur“, den unser Vorstandsmitglied Norbert Egger produziert hat und der durch mannigfaltige Dokumente, Filmausschnitte und Aussagen renommierter Historiker belegt, dass Paul von Hindenburg nicht ehrenwert ist: Er hat Hitler die Macht übergeben, um die Vision von der nationalen Einheit der Volksgemeinschaft, die dem Anti-Demokraten Hindenburg vorschwebte, zu verwirklichen. Zudem hat er – das belegt der Film sehr eindrücklich – im ersten Weltkrieg Verbrechen verantwortet, die vielen Hunderttausenden Menschen das Leben gekostet und in Frankreich und Belgien ganze Landstriche „verbrannter Erde“ hinterlassen haben.

Schon in der Einleitung referierte Dr. Sven Keller, der Leiter der Dokumentation Obersalzberg, dass die Person Paul von Hindenburg inzwischen derart negativ eingestuft wird, dass sie nicht mit einem Straßennamen geehrt werden sollte. Auch die Gemeinde Sylt habe sich entschlossen, dessen Namen nicht mehr für den Damm, der die Insel mit dem Festland verbindet, zu nutzen und spricht jetzt vom Syltdamm.

Renommierte Historiker kommen zu Wort

Im Anschluss an die Filmvorführung fand ein Podiumsgespräch mit den renommierten Historikern statt, die im Film mehrfach zu Wort kommen. Prof. Dr. Wolfram Pyta und Dr. Wolfgang Niess haben beide Standardwerke über Paul von Hindenburg und sein unheilvolles Wirken im Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik geschrieben. Wolfgang Niess hatte als Schlusswort im Film dargelegt, dass man schwerlich eine Straße behalten wolle, die „zum Dank benannt wurde für das Verdienst, Hitler zum Reichskanzler gemacht zu haben; das ist ja wie ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus.“

Hindenburg zerstörte die Demokratie gezielt

In der Podiumsdiskussion wurde nochmals klar, dass Hindenburg sehr systematisch vorgegangen war, die junge Demokratie der Weimarer Republik zu zerstören und dabei von antidemokratischen Kräften unterstützt wurde. Das – in der Weimarer Verfassung – mit sehr viel Macht ausgestattete Amt des Reichspräsidenten sei dazu bestens geeignet gewesen, führte Prof. Dr. Wolfram Pyta aus und sah darin den Schlüssel, dass die rechtsextremistischen Kräfte die Demokratie aushebeln konnten.

Auch heute wabert „ein Hauch von Weimar“

Bei den Fragen aus dem Publikum kam auch die Sorge hervor, dass sich die Vorgänge wie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wiederholen könnten. Die Historiker bestätigten, dass auch „ein Hauch von Weimar“ durch Deutschland wabern sehen, so Dr. Wolfgang Niess.

Norbert Egger beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Person Paul von Hindenburg und setzt sich vehement dafür ein, dass dieser nicht mehr mit einem Straßennamen in Berchtesgaden geehrt wird. Daher hat er auch diesen Dokumentarfilm – nach langer Recherche in unzähligen Archiven – erstellt. Der Film wird am 29. Juni um 20.00 Uhr im Park-Kino in Bad Reichenhall zu sehen sein.

(im Bild: Podiumsgespräch mit (von links) Dr. Wolfgang Niess, Prof. Dr. Wolfram Pyta, Norbert Egger und Dr. Sven Keller)

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